Die zeitgenössische Architektur versteht die Fassade nicht mehr als statische Grenze zwischen Innen und Außen. Sie ist Filter, Klimaregler, Identitätsträger und zunehmend auch bewegliches Element. Hebefaltläden erweitern dieses Verständnis um eine zusätzliche Dimension: die kontrollierte Transformation der Gebäudehülle.
Wo klassische Sonnenschutzsysteme additiv vor die Fassade gesetzt werden, werden Hebefaltläden integraler Bestandteil des architektonischen Konzepts. Sie reagieren auf Licht, Blickbeziehungen und Nutzungsszenarien – und verändern damit das Erscheinungsbild eines Gebäudes im Tages- und Jahresverlauf.
Doch ihr Potenzial endet nicht an der Außenhaut. Auch im Innenraum übernehmen Hebefaltläden zunehmend eine architektonische Funktion. In Mensa-, Kantinen- und Veranstaltungsbereichen wirken sie als flexible Schnittstelle zwischen Produktionszonen und Aufenthaltsräumen. Geöffnet schaffen sie Offenheit und Kommunikation, geschlossen verwandeln sie funktionale Infrastruktur in eine ruhige, flächenbündige Wandfläche.
So entsteht Architektur, die nicht nur auf äußere Einflüsse reagiert, sondern auch im Inneren wandelbar bleibt – Räume werden situativ definiert, ohne ihre gestalterische Klarheit zu verlieren.
Ein geschlossenes Fassadensystem vermittelt Ruhe, Homogenität und Präzision. Öffnen sich die Hebefaltläden, entsteht Dynamik. Die Gebäudehülle gewinnt an Tiefe und Plastizität. Licht wird gefiltert, Blickbeziehungen werden gezielt freigegeben oder geschützt.
Gerade bei Forschungs- und Laborgebäuden zeigt sich dieses Potenzial besonders deutlich. Projekte wie das CSD München oder das Skylab Heidelberg demonstrieren, wie transluzente Hebefaltläden nicht nur Sonnenschutz bieten, sondern als identitätsstiftende Fassadenstruktur wirken.
Materialität und Transparenz
Ob Streckmetall, perforiertes Aluminium oder individuell beplankte Rahmenkonstruktionen – die Materialwahl beeinflusst die Wirkung der Fassade maßgeblich.
Transluzente Metallhüllen erzeugen je nach Sonnenstand ein changierendes Fassadenbild. Geschlossene Elemente schaffen eine ruhige, homogene Fläche. Geöffnete Flügel erzeugen Tiefe und Rhythmus.
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Verbindung von Materialität und Bewegung findet sich im Projekt Hackney Walk London, wo perforierte, goldfarbene Hebefaltelemente die historische Substanz in einen spannungsvollen Dialog mit zeitgenössischer Gestaltung setzen.
Sonnenschutz, Energie und Nachhaltigkeit
Hebefaltläden sind nicht nur gestalterisches Element, sondern auch funktionaler Bestandteil nachhaltiger Gebäudekonzepte. Durch variable Neigungswinkel lassen sich Sonneneintrag und Verschattung präzise steuern.
In Kombination mit Photovoltaikmodulen kann die Fassade selbst zur Energieproduktionsfläche werden. Die ehemals vertikale Gebäudehülle richtet sich zur Sonne aus und nutzt auch niedrige Sonnenstände effizient aus. So wird die Fassade vom Schutzschild zum aktiven Bauteil.
Insbesondere im Bildungs- und Sportbau werden Hebefaltläden zunehmend als raumbildende Elemente eingesetzt. In Mensa- und Kantinenbereichen übernehmen sie die Funktion einer flexiblen Schnittstelle zwischen Produktionsküche und Aufenthaltsraum.
Geöffnet ermöglichen sie eine großzügige, kommunikative Speiseausgabe mit direktem Bezug zwischen Küche und Nutzer. Geschlossen hingegen transformieren sie den Raum vollständig.
Im geschlossenen Zustand verschwindet der funktionale Küchenbereich hinter einer flächenbündig integrierten, gestalterisch abgestimmten Wandfläche. Technik tritt zurück, der Raum gewinnt an Klarheit und Ruhe.
So kann eine Mensa außerhalb der Essenszeiten als Lernraum, Aufenthaltszone oder Veranstaltungshalle genutzt werden – ohne sichtbare Infrastruktur, ohne visuelle Unruhe.
Projekte wie die Sporthalle Bridel, das Gymnasium Neubiberg oder auch die Jugendherberge Schaan-Vaduz zeigen, wie Hebefaltläden als Innenraumelemente nicht nur funktionale Anforderungen erfüllen, sondern die Nutzungsvielfalt eines Gebäudes entscheidend erweitern.
In der Jugendherberge wird der Speisebereich durch einen flächenbündig integrierten Hebefaltladen zoniert, der im geschlossenen Zustand Teil der Innenraumgestaltung wird und das architektonische Konzept konsequent fortführt.
Sie ermöglichen Mehrfachnutzung, unterstützen akustische Konzepte und tragen zur architektonischen Stringenz bei.
Damit wird der Hebefaltladen im Innenraum zum Werkzeug flexibler Architektur – ein Element, das Räume nicht trennt, sondern situativ definiert.
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